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Bibeltexte über Sklaverei und Todesstrafe richtig auslegen

Baptistenpastor Dr. Bensel neuer Generalsekretär der evangelikalen Theologen in Europa

Woltersdorf  – Neuer ehrenamtlicher Generalsekretär  der Gemeinschaft Europäischer Evangelikaler Theologen (GEET) ist der Baptistenpastor Dr. Klaus Bensel (Bergisch Gladbach). Er wurde vor kurzem von der in Woltersdorf bei Berlin tagenden Mitgliederversammlung zum Nachfolger von Prof. Dr. Christoph Stenschke (Bergneustadt) gewählt, der weiter im Leitungskreis der GEET mitarbeitet. Außer Stenschke und Bensel sind keine deutsche Baptisten in dem Gremium tätig. Allerdings gebe es auch einen deutschen Arbeitzweig, dem Arbeitskreis für evangelikale Theologie (AfeT). Dort engagierten sich u. a. auch die Baptisten Prof. Dr. Helge Stadelmann (Gießen), Dr. Ulrich Wendel (Witten) und Dr. Horst Afflerbach (Bergneustadt).

Bensel unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit evangelikaler Theologen in Europa: „Sie weitet für die eigene Forschung und Lehre den Horizont für theologische Entwicklungen und Herausforderungen weltweit. Evangelikale, auf der Bibel als Gottes Wort gegründete Theologie braucht ein Netzwerk des Austausches über Entwicklungen in der Theologie, der Unterstützung und Förderung von theologischen Projekten.“ Weiter nannte es Bensel als Ziel der Gemeinschaft, Theologie und Missiologie zu verbinden. So setze man sich stärker mit geistlichen Strömungen wie dem Islam und der Säkularisierung auseinander, um Ansätze für die Mission unter Muslimen und Atheisten zu finden. Eine weitere Aufgabe der GEET sei die Begleitung von Doktoranden. An Universitäten und Bibelschulen würden akademisch qualifizierte evangelikale Theologen benötigt. Laut Bensel verengen deutsche theologische Fakultäten die Forschung auf in Deutschland entwickelte historisch-kritische Auslegungsmethoden. Dabei würden die aus den USA und England stammenden Auslegungsansätze vernachlässigt, die für den Umgang mit der Bibel angemessener seien.

An der Tagung in Woltersdorf beteiligten sich 54 Theologen aus 15 Ländern. Sie diskutierten über die Bibelauslegung in der heutigen Zeit. Einer der Hauptredner des Treffens, der Neutestamentler Prof. em. Dr. Howard Marshall (Aberdeen/Schottland), ging der Frage nach, wie biblische Aussagen über Sklaverei und Todesstrafe heute richtig ausgelegt werden. Es gelte dabei deutlich zu machen, dass biblische Aussagen in einer konkreten historischen Situation und einem sozialen und kulturellen Rahmen gesprochen sind. Man würde die Bibel missverstehen, wenn man davon ausginge, dass Gott Folter praktiziere, so der Theologe. Die Alternative zum ewigen Leben sei nicht ewige Qual, sondern ewiger Tod. Das Ziel der Aussagen Jesu sei es, auf die am stärksten mögliche Weise dazu aufzurufen, Gott ernst zu nehmen und Versöhnung mit ihm zu suchen. Die Konsequenzen für den, der auf die Einladung des Evangeliums nicht reagiere, seien unheilvoll.

Die Dozentin am Spurgeon’s College in London, Hetty Lalleman, bezeichnete die Situation evangelikaler Theologie international als sehr unterschiedlich. Während evangelikale Theologen in England und den USA anerkannt seien, würden ihre Forschungsbeiträge in anderen Ländern als „fremd, verdächtig und nicht wirklich akademisch“ angesehen. Dies gelte beispielsweise für Deutschland und die Niederlande. Kritik übte Lalleman an der historisch-kritischen Bibelauslegung. Sie schließe die Möglichkeit als unbeweisbar und damit als unwissenschaftlich aus, dass Gott sich in Bibeltexten offenbare. Damit werde der von der Bibel selbst erhobene Anspruch ignoriert. Lalleman: „Wenn man Gott außen vor lässt, gibt es keinen Grund, einem biblischen Autoren oder der eigenen Auslegung zu vertrauen.“

Die GEET wurde 1976 von dem englischen Theologen John Stott (London) gegründet; in ihr arbeiten rund 350 Theologen aus 21 Ländern Europas zusammen. Vorsitzender der Gemeinschaft ist der französische Theologieprofessor Pierre Berthoud (Aix-en-Provence).

Klaus Rösler


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(02.09.10)
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