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Neigt sich charismatische Bewegung dem Ende zu?

Wolfhart Margies: Der Bewegung fehlt es an missionarischer Kraft

Berlin – Die charismatische Bewegung neigt sich ihrem Ende zu. Diese Ansicht vertritt einer ihrer führenden Repräsentanten, Pastor Wolfhart Margies (Berlin). Nach seinen Worten stagniert die Mitgliederentwicklung der Bewegung. Außerdem fehle es ihr an missionarischer Kraft, schreibt er im Thesenpapier „Gedanken zur charismatischen Bewegung und zur Emerging Church“, das Margies charismatischen Leitungspersonen vorgelegt hat. Margies leitet eine der größten freien charismatischen Gemeinden Deutschlands - die 1981 aus der Trennung von einer Berliner Baptistengemeinde hervorgegangene „Gemeinde auf dem Weg“. Sie hat nach eigenen Angaben 664 Mitglieder; zu ihren beiden Sonntagsgottesdiensten kommen insgesamt etwa 750 Besucher. Margies zufolge lebt die charismatische Bewegung „schon seit langem aus fremdem Gut“. Die meisten Mitglieder hätten sich nicht in den eigenen Reihen, sondern in evangelikalen Gemeinden bekehrt, um später zu den charismatischen Gemeinden zu wechseln.

Die missionarische Wirksamkeit charismatischer Gemeinden sei „erstaunlich gering“. Die klassische charismatische Gemeinde tue sich schwer damit, für Nichtchristen attraktiv zu sein und ihnen eine bleibende Heimat zu bieten: „Ihre Gottesdienste sind mit charismatischen Stilmitteln überladen, überwiegend unprofessionell bis dilettantisch oder gar kitschig. Die Anbetung – ihre Domäne – weist in vielen Gemeinden erhebliche Qualitätsmängel auf, ist zu laut oder zu lang oder handwerklich einfach mangelhaft.“ Alle Beiträge, Predigten eingeschlossen, litten unter Oberflächlichkeit, mangelnder Attraktivität und wiesen eine „sehr fromme Sprache“ auf. Es fehle der Bezug zu den wirklichen Nöten der Menschen. „Die Bekehrungsrate ist gering und geht hin bis zu Null“, so Margies. Außerdem fehle es an geistlicher Vollmacht.

Laut Margies schuf die charismatische Bewegung eine „unscharfe, ja eigentlich verkehrte Theologie, indem sie einen Teilaspekt biblischer Lehre, die Taufe im Geist, zum Ganzen erklärte“. Bei den wenigen wachsenden charismatischen Gemeinden sei das charismatische Element weniger ausgeprägt oder fehle ganz. Bei diesen Gemeinden gebe es weniger öffentliches Gebet in fremden Sprachen und weniger oder gar keine Heilungen und Wunder.

Kritik übte Margies auch an der evangelikalen Bewegung. Diese habe durch Liberalisierung, Anpassung und Erosion der Lehre ebenfalls missionarische Kraft verloren. Auch die aus den USA kommende Bewegung „Emerging Church“ weise keinen Weg aus der Krise. Zwar sei es ihr gelungen, die Fragen, Bedürfnisse und Nöte postmoderner Menschen zu erfassen. Sie habe auch veraltete christliche Ausdrucksformen in Frage gestellt. Jedoch sei ihre Theologie „zu nicht geringen Teilen ausgehöhlt“ und weise einen „immer rasanter werdenden Bergrutsch der christlichen Ethik“ auf. Es komme zu „neuen Freiheiten in der Sexualität unter Einschluss der Enttabuisierung der Homosexualität“ und zu einem neuen Denken im Blick auf Ehe, Familie, Scheidung und Kindererziehung. In Gemeinden halte die Postmoderne in großer Breite Einzug. „Gottesdienste werden verändert oder abgeschafft, Ordnungen außer Kraft gesetzt, Verbindlichkeit, Pünktlichkeit, Hingabe an gemeinsame Ziele und Strukturen unterliegen den Forderungen der jeweiligen örtlichen Spielform der neuen Frömmigkeit.“

Margies erwartet eine neue Bewegung „mit klarem Konzept und präziser Lehre“. Dieser neue Aufbruch sei gekennzeichnet durch die „Autorisierung und Salbung zu Wundern, Zeichen, Heilungen und eine Kraftausstattung zu einem Befreiungsdienst“. Wie beim ersten Pfingstereignis sollten Christen dafür „in den Stand des aktiven Wartens“ treten. Gegenüber dem Nachrichtendienst idea sagte Margies, der Heilige Geist dürfe nicht als Lieferant von spektakulären Heilungen, Zeichen und Wundern missbraucht werden. Vielmehr wolle der Heilige Geist Christen mit Liebe, Erbarmen und der Erfahrung von Herrlichkeit füllen, um sie zu glaubhaften Zeugen Jesu zu machen. Dann könnten durch Christen auch Zeichen und Wunder geschehen, ohne dass sie deswegen überheblich würden.


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(05.11.09)
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