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DIE GEMEINDE

Kontroverse um den Begriff "evangelikal"

Allianz-„Chef-Theologe“ Hille: Evangelikale sind internationale Bewegung

Witten/Tübingen – Wie hilfreich ist der Gebrauch des Begriffes „evangelikal“ für theologisch konservative Christen? Über diese Frage ist es unter den Evangelikalen zu einer Auseinandersetzung gekommen. Die an Jesus Christus Glaubenden sollten beim Begriff „evangelikal“ bleiben, meint der „Chef-Theologe“ der Deutschen Evangelischen Allianz, der Rektor des Albrecht-Bengel-Studienhauses, Pfarrer Rolf Hille (Tübingen). In der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) ist der Begriff dagegen umstritten.

In einem Beitrag der Mai-Ausgabe des Magazins „Christsein heute“ (Witten) des Bundes Freier evangelischer Gemeinden weist Hille darauf hin, dass es gute Gründe gebe, an dem Begriff festzuhalten. „Um eine große und wachsende Bewegung in der evangelischen Christenheit mit ihrem biblischen, evangelistischen und geistlichen Anliegen zu erfassen und im Handeln zusammenzuführen, bedarf es des Begriffs ‚evangelikal’ – und zwar national wie international“ schreibt Hille, der von 1993 bis 2000 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz war und seit 1993 den Arbeitskreis für evangelikale Theologie leitet.

Hille räumt ein, dass der Begriff „evangelikal“ in den Medien zunehmend mit dem „Totschlagwort“ Fundamentalismus in Verbindung gebracht werde. Doch deshalb darauf zu verzichten, sei nicht der richtige Weg, „weil evangelikal und fundamentalistisch theologiegeschichtlich tatsächlich nicht völlig voneinander zu lösen sind“. Der Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführte Begriff „Fundamentalismus“ sei zunächst eine Kampfansage gegen die Liberalität der modernen Welt und Theologie gewesen. Als „fundamentals“ seien fundamental wichtige und unaufgebbare Glaubensaussagen bezeichnet worden. Erst durch den islamistischen Terror und religiösen Fanatismus sei die Bezeichnung „Fundamentalist“ in jüngster Zeit zum Todschlagargument geworden. Hille erinnert daran, dass die evangelikale Bewegung aber „aus innerster Überzeugung gewaltlos“ sei. 

Für die „Evangelikalen“ sei es nicht entscheidend, in welcher kirchlichen Tradition man aufgewachsen sei: „Entscheidend ist die Bekehrung und die Heiligung in der persönlichen Lebensbeziehung zu Jesus Christus.“ Weil die evangelikale Bewegung weltweit aufgestellt sei, müsste man den Begriff „evangelikal“ geradezu einführen, „um die Internationalität des Phänomens zu erfassen“, regte Hille an. Gemeinsam ständen die Evangelikalen zudem vor „riesigen Herausforderungen“. Dazu schreibt Hille: „Wir leben in einer säkularen Gesellschaft, in einer Welt ohne Gott. Dieser Welt schulden wir das missionarische Zeugnis.“ Hille bezweifelt zudem, dass sich ein einmal eingeführter Begriff überhaupt ändern lasse. Und wenn dies möglich sein sollte, würden die kritisierten Inhalte des Glaubens und der Lebenspraxis stattdessen von der Öffentlichkeit ein anderes Etikett angehängt bekommen.

Vor allem die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) hatte sich zuletzt wiederholt gegen die Verwendung des Begriffs „evangelikal“ gewandt. Nach den Worten der VEF-Präsidentin, der evangelisch-methodistischen Bischöfin Rosemarie Wenner (Frankfurt/Main), bezeichneten sich einige VEF-Mitglieder nicht als evangelikal. Der VEF-Beauftragte am Sitz der Bundesregierung, der Baptistenpastor Peter Jörgensen (Berlin), erklärte, dass der Begriff „evangelikal“ als Marke versagt habe, weil die Bezeichnung zu diffus gebraucht werde. Wie die Zeitschrift DIE GEMEINDE erfuhr, will man im Bund Freier evangelischer Gemeinden dagegen am Begriff „evangelikal“ festhalten.

Klaus Rösler




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(07.05.09)
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